MAXIMILIAN DAHLHOFF: ZURÜCK BEIM RW AHLEN
Man weiß nicht den Tag und die Stunde. Dass er an diesem späten Junitag des letzten Jahres gleichzeitig die größte Katastrophe und das größte Glück seines noch jungen Lebens erlebt hatte, das wird Maximilian Dahlhoff wohl erst jetzt richtig bewusst.
Eine kleine Unaufmerksamkeit auf der Straße Richtung Tönnishäuschen, das Steuer verrissen, der Wagen kommt von der Straße ab und überschlägt sich mehrmals. Dahlhoff und zwei Mitfahrer, Freunde von ihm, schwerst verletzt – ein paar Sekunden an einem zuerst schönen Sommertag, und das Leben ist nicht mehr das, was es vorher war.
„Ich denke schon, dass mich diese Erfahrung reifer gemacht hat“, sagt der 19-Jährige heute und schlürft versonnen seinen Milchkaffee. Keine Kleinigkeit; die Verantwortung tragen, zu echter oder eingebildeter Schuld stehen und das eigene Leben wieder in den Griff bekommen. „Wir sind weiter gute Freunde“, verrät er, und man spürt die Erleichterung, dass seine beiden damaligen Passagiere inzwischen nicht nur gesundet sind, sondern auch, dass das enge Verhältnis zu ihnen heil blieb. Alle drei machen in diesem Sommer gemeinsam Abitur. Glück gehabt.
Auch die Zweitkarriere hat Dahlhoff längst wieder aufgenommen. Mit einem Bruch des Oberarms und einer Radialislähmung zur Hand hat es drei Monate gedauert, bis der talentierte Innenverteidiger wenigstens wieder das Lauftraining aufnehmen konnte. Und das ausgerechnet zu einem Wendepunkt seiner Karriere. Vom damaligen Drittligisten RW Ahlen war Dahlhoff zum Regionalligisten SF Lotte gewechselt.
Von Mitspielen konnte aber mit dem Trainingsrückstand beim ambitionierten, eingespielten Tabellenführer keine Rede mehr sein. Höchstens die Rehabilitation in Osnabrück lief noch im Auftrag des neuen Vereins. Seit Mai hat der Ahlener kein Spiel mehr bestritten. „Es brennt in den Füßen“, verrät Dahlhoff, dass auch sein Ehrgeiz wieder in Flammen steht. Zurück in Ahlen, wenigstens zuerst für eine halbe Saison, will er das Fußballspielen wieder lernen.
„Ich muss einiges erneut verinnerlichen. Ich bin halt sehr kritisch“, ist er aber dennoch zufrieden mit seinen ersten beiden Testspielen für den NRW-Ligisten. Immer mit im Spiel: die geschraubte Platte, die den Oberarm zusammenhält. Vielleicht als stählerne Erinnerung daran, das alles hätte viel, viel schlimmer kommen können.
Text: Uwe Gehrmann
Die Glocke
http://www.rwahlen.de



